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Börsen

Binance meldet 98 % der gehackten Vermögenswerte ersetzt – Auszahlungen laufen stufenweise, 6 Milliarden fließen ab

Eine Woche nach dem 6,3-Milliarden-Dollar-Einbruch meldet Binance rund 98 % der betroffenen Vermögenswerte aus eigener Bilanz ersetzt, einen auf 44 Token erweiterten Proof-of-Reserves-Snapshot und mehr als 6 Milliarden US-Dollar Abflüsse in den ersten 24 Stunden nach der Wiederaufnahme der Auszahlungen am 1. November.

Abstrakte dunkle Fintech-Szene, die eine Börse beim Wiederaufbau ihrer Reserven nach einem Sicherheitsvorfall andeutet

Eine Woche nach dem größten Diebstahl der Kryptogeschichte versucht Binance zu beweisen, dass die Börse weiter steht. Nach eigenen Angaben hat sie inzwischen rund 98 % der beim Einbruch vom 29. Oktober abgezogenen Vermögenswerte ersetzt, seit dem 1. November die Auszahlungen stufenweise wieder geöffnet und ihren Proof-of-Reserves-Snapshot von 10 auf 44 Token ausgeweitet. Die Zahlen kommen mit Vorbehalten – und mit mehr als 6 Milliarden US-Dollar an Abflüssen am ersten Tag der wieder möglichen Auszahlungen.

Von 90 % auf 98 % in fünf Tagen

Die Erholungsgeschichte hat sich schnell entwickelt. Co-CEO Richard Teng nannte am 31. Oktober einen ersetzten Anteil von 90 %; am 1. November sprach die Börse von rund 95 % der betroffenen Vermögenswerte, der Rest seien überwiegend illiquide Token, deren Kauf länger dauere, berichtet CoinDesk. Bis zum 4. November hatte der Wert laut The Crypto Basic rund 98 % erreicht, wobei die Käufe der weniger liquiden Token noch liefen.

Gründer Changpeng Zhao erklärte am 2. November, Binance habe weder Kredite aufgenommen noch Vermögenswerte verkauft oder Kapital eingesammelt, um das Loch von mehr als 6 Milliarden US-Dollar zu schließen – es sei aus der Bilanz gedeckt worden, so CoinDesk. 24/7 Wall St. weist darauf hin, dass die Börse nicht offengelegt hat, aus welchen Vermögenswerten der Ersatz finanziert wurde, wie sich die Kosten zwischen dem 2018 eingerichteten SAFU-Versicherungsfonds und Unternehmensmitteln aufteilen und ob BNB verkauft wurde. Binance ist in Privatbesitz und veröffentlicht keine Geschäftszahlen.

Auszahlungen: 45 Stunden Stillstand, dann der Run zum Ausgang

Die Auszahlungen waren nach dem Angriff rund 45 Stunden ausgesetzt. Die Wiederherstellung begann am Sonntag, dem 1. November, um 06:00 UTC; um 12:36 UTC waren alle 15 Netzwerke und Vermögenswerte der ersten Phase – darunter BTC, ETH, SOL, XRP und die großen Stablecoins – wieder verfügbar, berichtete CoinDesk. Weitere Vermögenswerte wurden in späteren Phasen freigegeben.

Der erste Tag war heftig. Binances eigene Zahlen für die ersten 9,5 Stunden zeigten Auszahlungen von 4,649 Milliarden US-Dollar gegenüber Einzahlungen von 1,01 Milliarden – ein Nettoabfluss von 3,64 Milliarden US-Dollar oder rund 2,1 % der 171 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten, die die Börse vor dem Angriff ausgewiesen hatte. Über volle 24 Stunden verfolgte DefiLlama mehr als 6 Milliarden US-Dollar, die Binance-zugeordnete Wallets verließen – etwa 3,6 % der Bestände vor dem Angriff –, wobei CoinDesk zur Vorsicht mahnt: Wallet-Daten können auch Transfers zwischen Adressen enthalten, die die Börse selbst kontrolliert. Konkurrenten verzeichneten im selben Zeitfenster Zuflüsse – netto rund 450 Millionen US-Dollar bei OKX und 134 Millionen bei Bybit –, doch die Daten zeigen nicht, wie viel davon direkt von Binance-Kunden stammt. Die Nachfrage nach Auszahlungen schoss bei der Wiedereröffnung in die Höhe und ließ dann nach, während die Einzahlungen beträchtlich blieben.

Proof of Reserves – fast

Der Proof-of-Reserves-Snapshot vom 4. November umfasst laut The Crypto Basic 44 Token statt zuvor 10. Nutzer konnten ihn jedoch noch nicht überprüfen: Binance erklärte, die Erstellung des zugehörigen kryptografischen Zero-Knowledge-Beweises werde weitere 50 bis 60 Stunden dauern. Bis dieser Beweis veröffentlicht ist, bleibt der erweiterte Snapshot eine Aussage, kein Nachweis – ein Unterschied, den man bei der Bewertung jeder Börse im Kopf behalten sollte, wie unser Leitfaden zu Gebühren, Auszahlungen und Sicherheit erläutert.

Eingefrorene Gelder und die Spur des Angreifers

Die Stablecoin-Emittenten reagierten binnen Stunden. Crypto Briefing berichtete am 29. Oktober, Tether habe rund 971 Millionen US-Dollar in USDT und Circle etwa 823 Millionen US-Dollar in USDC eingefroren, die mit den Abflüssen in Verbindung stehen – zusammen knapp 1,8 Milliarden US-Dollar. Auf Seiten des Angreifers hielt eine vom US Secret Service und Analysefirmen identifizierte Adresse nach dem Exploit rund 970.000 SOL; etwa die Hälfte davon wurde am 1. November bewegt und in Bitcoin getauscht, so CoinDesk.

Binance kappt zudem Abhängigkeiten von Drittanbietern. Am 5. November entfernte die Börse sämtliche API-Schlüssel, die mit dem Trading-Tool-Anbieter SignalPlus verknüpft waren; das zu Coinbase gehörende Deribit widerrief dieselben Schlüssel, berichtete 24/7 Wall St. Binance erklärte, die eigenen Systeme seien nicht betroffen gewesen, und Zhao rief Nutzer auf, bei jedem angebundenen externen Tool dieselbe Vorsicht walten zu lassen. Die Zeit nach einem Hack ist zugleich Hochsaison für Imitationen und angebliche „Entschädigungen“ – unser Leitfaden Krypto-Betrug erkennen beschreibt die Warnsignale.

Reaktion von Markt und Konkurrenz

BNB notierte am 5. November um 705 US-Dollar, auf Tagessicht nahezu unverändert, auf Wochensicht rund 4 % tiefer und 48,5 % unter dem Allzeithoch von 1.370 US-Dollar vom Oktober 2025, so 24/7 Wall St. Coinbase nutzte ein Sicherheitsupdate am 4. November, um zu betonen, dass mehr als 99 % der Kundenvermögen im Cold Storage liegen und der Binance-Vorfall die eigene Plattform nicht berührt habe. Der Aktienmarkt war weniger gnädig: Morgan Stanley stufte Coinbase am 2. November auf „Underweight“ ab und senkte das Kursziel von 258 auf 120 US-Dollar, vermerkt CoinDesk, während Krypto-Aktien auf breiter Front abverkauft wurden.

Wer nach dieser Episode überdenkt, wo er Vermögenswerte hält, findet in unseren Plattform-Tests einen Ausgangspunkt.

Fazit

Binance hat geschafft, was kaum eine Börse könnte – einen Verlust von 6,3 Milliarden US-Dollar aus eigener Bilanz zu verkraften und weiter auszuzahlen –, und die 98 % Ersatz sowie der 44-Token-Snapshot sind echte Fortschritte. Doch der kryptografische Beweis steht noch aus, die Finanzierung der Rettung ist nicht offengelegt, und an einem einzigen Tag haben 6 Milliarden US-Dollar die Plattform verlassen. Für Nutzer bleibt die praktische Lehre dieselbe: auf jeder Börse nur das halten, was man aktiv handelt, Reserven erst prüfen, wenn Beweise veröffentlicht und nicht nur angekündigt sind, und jede Nachricht nach einem Hack als potenziellen Betrug behandeln, bis das Gegenteil feststeht.

Nachrichtenzusammenfassung auf Basis der oben zitierten Berichte, Stand 6. November 2026. Ersatzquoten und Abflusszahlen beruhen auf Angaben von Binance und On-Chain-Trackern Dritter, wie von den genannten Medien wiedergegeben, und können revidiert werden; anhand der offiziellen Mitteilungen von Binance prüfen. Nur zur allgemeinen Information; keine Finanzberatung.

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